Heute ein Gastbeitrag von Andrea, die auf dem Dreifürstensteig unterwegs war. Vielen Dank für deinen Beitrag!


Normalerweise wandere ich ja mit dem Bogen durch 3D-Parcours, aber diesmal wollte ich den Premiumweg nahe meiner alten Heimat erkunden. Mössingen ist eine Kleinstadt am Fuße der Schwäbischen Alb im Landkreis Tübingen.
2014 wurde der Dreifürstensteig in einer Umfrage der Zeitschrift „Wandermagazin“ zum zweitschönsten Wanderweg Deutschlands gekürt.
Am besten fährt man mit dem Auto zum Freizeitgelände „Olgahöhe“. Man kann diesen Startpunkt jedoch auch mit dem Stadtbus (selten!) oder vom Bahnhof aus zu Fuß erreichen.

„Folge dem Apfel“dscn5948

Am Spielplatz gibt es einen Aussichtspunkt, der uns bereits die Schönheit der abwechslungsreichen Landschaft zeigt – und dort ist auch der Einstieg zum Wanderweg. Den habe ich allerdings nicht gefunden … das Apfelsymbol des Weges war zwar an einem Baum angeschlagen, aber es gab keinen Wegweiser. Also habe ich mich kurzentschlossen auf einen Waldweg links davon begeben, und war prompt falsch. Also doch die zuvor ausgedruckte Wegbeschreibung des Schwäbische Alb-Tourismusverbandes hervorgeholt. Da ich am falschen Ort stand, half das aber auch nur bedingt. Also quer unterhalb des Aussichtspunktes wieder Richtung Osten, dort sollte als Wegzeichen eine rot-weiß gestrichene Bank sein. Eine Bank gab es, die war jedoch grün-braun. Eine solche Wegmarkierung anzugeben ist für den Ortsunkundigen daher etwas fragwürdig. Nach einem Blick auf die Karte und dem mehrmaligen Lesen der Einstiegsbeschreibung nahm ich meinen Mut zusammen und versuchte nun auf den Weg zu kommen. Das hat dann letztlich auch geklappt. Ob ich am Aussichtspunkt ein Zeichen übersehen habe, lässt sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen.

An alten Streuobstwiesen entlang geht es auf einem Wiesenweg ins Buchbachtal. Danach folgt der steile Anstieg auf den Dreifürstenstein. Wenn ich „steil“ schreibe, meine ich das auch. Zuerst geht es in Serpentinen geschotterte Waldwege entlang. Dann biegt man ab auf einen steinigen Naturpfad und mit jedem Meter wird es steiler. Da ich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe war, hätte ich mir für dieses Stück Stöcke gewünscht. Möglichst nicht aus dem Rhythmus kommen – und keinesfalls die zwei verführerisch am Wegesrand stehenden Ruhebänke nutzen, sonst setzt sich womöglich der Gedanke ans Aufgeben fest! Weiter oben zeigten Steinmale, dass sich schon viele Wanderer auf diesem Stück Mut zusprachen. Auch ich legte jeweils einen Stein dazu … und möchte nicht wissen, wie schwierig es wird, wenn der Boden nicht trocken, sondern feucht und schlüpfrig ist.

„Fast geschafft!“
dscn5892

Irgendwann endet auch der steilste Anstieg, und der Ausblick entschädigt für alle Strapazen! Wenn man denn etwas sieht. An diesem heißen Spätsommervormittag war es leider sehr diesig, so dass man nur bis zum Hohenzollern sehen konnte. An klaren Tagen kann man sogar den Alpenrand erkennen! Aber schön war es trotzdem: in 854 m Höhe eine abwechslungsreiche Landschaft aus Albvorsprüngen, Wald, landwirtschaftlichen Flächen, dem Steinlachtal und mehreren Teilorten von Mössingen. An der Schutzhütte lohnt sich also eine Rast, um den Blick schweifen zu lassen.

20160914_10452120160914_104854Ein „Vesperbrot“ und einen halben Liter Wasser später machte ich mich dann wieder auf. Der Dreifürstenstein ist lediglich ein Ausläufer des „Hirschkopfs“, und man wandert nun auf ebener Strecke dieses Stück des Albtraufs entlang. Immer wieder kann man durch die Bäume einen Blick ins Tal erhaschen und dabei weitere Teile von Mössingen, eine Erdrutschung am Farrrenberg und die bäuerliche Kulturlandschaft darum sehen. Hier verbindet sich der Dreifürstensteig auch mit dem „Albsteig“, einem „top trail“-Fernwanderweg.
Dann kommt man zum „Bergrutsch“. Besonders für geologisch Interessierte bietet diese Stelle einen Einblick in die Erdgeschichte. Der Albtrauf reichte einst bis Stuttgart. Jährlich wird die Schwäbische Alb durch Abtragung etwa 1,6 mm rückverlagert. Hier am Bergrutsch waren es im Jahr 1983 32 m in wenigen Stunden! Dies ist durch Hinweistafeln sehr gut erläutert, und der Blick auf die Rutschung ist beeindruckend.
Weiter geht es an der Hangkante, dann geht es langsam wieder bergab. Langsam heißt langsam: der Weg hat ein relativ flaches Gefälle. Auf der Mittellage angekommen, kann man sich den Bergrutsch auch noch „von unten“ ansehen, wenn man den etwa 2 km langen Rundweg zum Geotop zusätzlich gehen möchte.

dscn5913

Vom Hirschkopf geht es jetzt hinüber zum Farrenberg. An der Straße gibt es eine Liegebank, die sich wieder für eine kleine Rast eignet. Denn der Blick auf die Landschaft ist wunderschön. Felder, Wiesen, Weiden, das grüne Tal und die Anstiege der Hügel  – dazu die schönen Wiesenblumen und die beginnende Laubfärbung im Frühherbst … da hatte ich einen wirklich schönen Tag erwischt! Nur war es in der Mittagssonne viel zu heiß, weswegen ich nicht lange die Blicke schweifen ließ. Also weiter.

Zwischen Hirschkopf und Farrenberg

dscn5930
                                           Bei Talheimdscn5937

Der Weg führt nun wieder aufwärts, aber diesmal sehr moderat. Nach etwa zwei Drittel der Strecke hat man einen schönen Ausblick auf Talheim – mit einer Liegeschaukel! Also Schuhe und Socken aus, die Jause herausgeholt und es sich gemütlich gemacht. Eigentlich sollte doch ganz in der Nähe („200 m abseits der Route“) das Sportheim sein, in dem man während der Wanderung gut einkehren kann. Aber ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, und zu sehen war es von der Liegeschaukel ebenfalls nicht.
Irgendwann zog es mich voran, es ging nun relativ flach weiter bis zum Rastplatz „Unter Andeck“. Und da stand dann ein Wegweiser zum Sportheim: 1.200 m! Toll … nein, soweit wollte ich nun doch nicht (zurück) gehen. Ich hatte noch einen halben Liter Wasser und einen Müsliriegel, das musste nun reichen für die restlichen fünf km.

Auf der Liegeschaukel20160914_124728

Sanft führte der Weg nun wieder hinab, aber leider alles geschottert und teilweise asphaltiert. Endlich bog der Steig links auf einen Wiesenweg ab, der an aufgelassenen und bewirtschafteten Streuobstwiesen entlang führte. Diese Obstwiesen sind ein sehr altes Kulturgut in dieser Gegend, und wurden im 19. Jahrhundert als Allmend an die Bevölkerung vergeben. Äpfel, Birnen, Zwetschgen wurden noch in meiner Kinderzeit zu Most, Saft und Marmelade verarbeitet. Mehrere Schautafeln erläutern die Bedeutung der Streuobstwiesen, denn in neuerer Zeit möchte man dieses Erbe erhalten, alleine schon wegen der alten Sorten, die in der modernen industriellen Lebensmittelproduktion kaum noch Platz finden. Brombeeren und Äpfel waren schon reif und boten einen kleinen „Snack“ am Wegesrand. Allerdings erinnerte ich mich sofort beim Hineinbeißen in einen Apfel, dass dies kein Tafelobst ist. Diese sauren Dinger sind wirklich nur für das Mosten geeignet. Aber ich fand dann doch noch einen Speiseapfel.

Alte Streuobstwiesedscn5956

13,3 km ist die Strecke des Dreifürstensteigs, mit über 550 Höhenmetern! Da weiß man also durchaus, was man getan hat. Die angegebenen 4-5 Stunden Gehzeit sind exakt kalkuliert für das Tempo eines erfahrenen Wanderers. Trotz angeschlagener Gesundheit und mit insgesamt drei Pausen habe ich ziemlich genau fünf Stunden benötigt

Die Kriterien für einen Premiumweg sind mir nicht geläufig, aber dass man sehr viel auf Schotter und Kies laufen muss, fand ich sehr unangenehm. Für Barfußschuhe und empfindliche Hundepfoten ist das eher nichts … Bei anhaltend trockenem Wetter ist der Steig mit Trekkingschuhen gut zu gehen, ansonsten empfehlen sich feste Wanderstiefel.

Die Wegmarkierungen sind letztlich ausreichend. An manchen Stellen, gerade am Einstieg und an den Abzweigen, hätte ich mir eine genauere Führung gewünscht, damit man nicht rätseln oder in die Beschreibung schauen muss. An anderen, übersichtlichen, Stellen sah man das Apfelsymbol dagegen zuhauf.

Man kann den Steig in beide Richtungen (und auch von mehreren Ausgangsplätzen aus) gehen, aber ich empfehle auf jeden Fall die Route gegen den Uhrzeigersinn ab der Olgahöhe oder vom Buchbachtalparkplatz. Dann hat man den steilen Anstieg ziemlich am Anfang und geht dann langsam wieder hinab. Geht man im Uhrzeigersinn, geht es zwar nur flach hinauf, aber man muss dann den steilen Dreifürstenstein wieder hinunter, das geht definitiv in die Knie und macht bei suboptimalen Wetterbedingungen keinen Spaß!

Mir hat der Dreifürstensteig gut gefallen! Landschaftlich ist der Wanderweg sehr abwechslungsreich und reizvoll, und man lernt dabei noch etwas über das Umland. Mit der beginnenden Laubfärbung hatte ich gewissermaßen schon ein Highlight, aber der Steig ist sicher auch zu den anderen Jahreszeiten schön. Es lohnt sich also wieder zu kommen. Man sollte kleidungsmäßig auf jeden Fall anpassungsfähig sein. Über 550 Höhenmeter ergeben unterschiedlichste klimatische Bedingungen! Und den Wasservorrat sollte man ebenfalls großzügig bemessen, zumal es kein Trinkwasser am Weg gibt.

Der Albtrauf ist touristisch gut erschlossen, so dass die Quartiersuche kein Problem darstellt. Von Mössingen aus sind viele weitere Ausflugsziele, vom Vogelschutzzentrum (Führungen leider nur für Gruppen!) über die Bärenhöhle bis zum Kurort Bad Urach, gut zu erreichen.

Andrea Schäfer
Meerbusch
www.3d-bogenblog.de
Links:
http://www.moessingen.de/de/Freizeit+Tourismus/Wanderparadies-Moessingen/Dreifuerstensteig/Der-Weg-ist-das-Ziel
http://www.schwaebischealb.de/Media/Tourenfinder/Dreifuerstensteig

Share This: